Westdeutsche Zeitung: Flüchtlinge – der realistische Blick fehlt

von Dorfinfo Euro-Press - - Veröffentlicht am 23. 01 2017
Düsseldorf (ots) – Heinz Buschkowsky, der alte Praktiker und Haudegen aus Berlin-Neukölln, hat Recht: Irgendwann wird aus dem Enthusiasmus dieser Tage Normalität. Und dann kommen die Probleme. Auch die CSU hat Recht, jedenfalls sofern sie auf die Spätfolgen der Merkelschen Entscheidung hinweist, die Flüchtlinge aus Ungarn unkontrolliert nach Deutschland zu lassen. Die erste ist schon an diesem Wochenende sichtbar: Es kommen noch mehr. Falsch liegt Hans-Peter Friedrich hingegen mit seiner Bemerkung, es handele sich dabei um eine „beispiellose Fehlleistung“. Der Mann, von dem beispiellose Leistungen aus seiner Minister-Zeit nicht bekannt sind, kann nicht sagen, was man denn mit den in Ungarn und Griechenland Gestrandeten stattdessen hätte tun sollen, die alle nach „Germany“ wollen. Sterben lassen, wie das Kind am Strand von Bodrum oder die Opfer in den Schlepper-Lastwagen? Ein realistischer Blick auf die Lage ist gleichwohl dringend nötig. Zum einen auf den noch anhaltenden Zuzug, der in keiner Weise bewältigt ist, sondern sich immer unkontrollierter entfaltet. Diese Situation kann der Kanzlerin auch politisch außer Kontrolle geraten, wenn sie keine europäische Lösung erreicht. Die Uhr tickt unerbittlich und immer lauter. Der Zwergenaufstand der CSU ist nur ein Warnzeichen. Merkel muss die Tür irgendwie wieder zu kriegen, die sie geöffnet hat. Nötig ist zweitens auch ein realistischerer Blick auf die Flüchtlinge. „Refugees welcome“ ist ein netter Slogan, aber er löst kein Problem, erst recht nicht die zukünftigen. Wenn es die Vision ist, dass all diese Menschen in zwei, fünf oder zehn Jahren hier anerkannt und assimiliert leben sollen und ihre Kinder gleiche Chancen haben – und das muss das Leitbild sein – dann muss man mehr tun als Erstunterbringung. Dann geht es vom ersten Tag an um wirkliche Integrationsanstrengungen beider Seiten: Deutschunterricht und Integrationskurse, Arbeit und Ausbildung, Wohnraum, die Verhinderung von Ghettobildung und Kriminalität, auch die Abwehr salafistischer Gruppen, die wie die Geier um die Neuankömmlinge kreisen. All das muss sofort beginnen. Blauäugigkeit ist da genauso schädlich wie die alte Verweigerungshaltung. Bei den Gastarbeitern hat Deutschland fast zwei Generationen zu Verlorenen zwischen den Kulturen gemacht und Parallelgesellschaften entstehen lassen. Das darf sich nicht wiederholen.

Pressekontakt: Westdeutsche Zeitung Nachrichtenredaktion Telefon: 0211/ 8382-2370 redaktion.nachrichten@wz.de www.wz.de

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