NOZ: NOZ: Liebeskummer brachte Drehbuchautor Werner zum Schreiben

von Dorfinfo Euro-Press - - Veröffentlicht am 23. 01 2017
Osnabrück (ots) – Liebeskummer brachte Drehbuchautor Werner zum Schreiben

Bei der Frage „Trinken oder Schreiben“ entschied er sich für ein Märchen – heute liefert er die Bücher für „Tatort“ und „Traumschiff“ – Götz George wollte sich auch mit 70 noch prügeln

Osnabrück. Drehbuchautor Jürgen Werner („Tatort“, „Traumschiff“, „Um Himmels Willen“) ist durch Liebeskummer zum Schreiben gekommen. „Meine damalige Freundin verließ mich. An dem Abend hatte ich dann die Wahl, mich zu betrinken oder ein Märchen zu schreiben,“ sagte der 53-Jährige im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). „Das Märchen war am nächsten Morgen fertig, ich immer noch nüchtern, es wurde gedruckt, und ich war von da an süchtig danach zu schreiben.“

Dies sei auch schon so gewesen, als er noch keinen Erfolg hatte, berichtete Werner weiter: „Schreiben war wirklich wie ein Rausch für mich. Ich bin irgendwann mal in die Bretagne gefahren und kam nach 14 Tagen mit einem 300-Seiten-Roman zurück. Der war grauenvoll, unendlich schlecht, aber ich habe ihn bis heute aufgehoben.“

Mittlerweile bedient der Erfinder des Dortmunder „Tatorts“ nicht nur das ARD-Krimiflaggschiff, sondern auch seichtere Formate wie „Das Traumschiff“. Bei der Arbeit daran gebe es zum Teil deutliche Unterschiede, sagte Werner: „Beim ,Tatort‘ lässt man dem Zuschauer und den Schauspielern mehr Raum, selbst Lücken zu füllen oder den Gefühlen nachzuspüren. Beim ,Traumschiff‘ würde ich dem Schauspieler den Satz ,Du, ich fühle mich heute schlecht‘ ins Drehbuch schreiben, im ,Tatort‘ schreibe ich eine Regieanweisung: Schauspieler A schaut Schauspieler B an, der spürt, dass der andere sich schlecht fühlt.“

Auch für die letzten drei Schimanski-Folgen zeichnete sich Jürgen Werner verantwortlich – und erlebte den Hauptdarsteller als einen außergewöhnlichen Künstler: „Es gibt Menschen, die vergrößern einen Raum, wenn sie ihn betreten, Götz George war so jemand. Er war immer sehr gut vorbereitet, kannte das ganze Buch, nicht nur seine Rolle. Er war mir gegenüber immer sehr korrekt, hat jeden mit Respekt behandelt, und es ging ihm nie um irgendwelche Eitelkeiten, sondern immer um die Figur. Mit vielleicht einer einzigen Ausnahme: Als er 70 wurde, habe ich den Schimanski vielleicht ein wenig zu gebrechlich geschrieben, da hat er gesagt: Nee, so nicht. Ich will mich auch mal wieder kloppen.“ Das sei der einzige Anflug von „Eitelkeit“ gewesen, den er je bei George erlebt habe.

Am Sonntag, 15. Januar, zeigt das Erste die Kölner „Tatort“-Folge „Wacht am Rhein“ nach einem Drehbuch von Jürgen Werner.

Pressekontakt: Neue Osnabrücker Zeitung Redaktion Telefon: +49(0)541/310 207

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